Tomaten selber ziehen - ein kleiner Leitfaden

"Das Leben beginnt mit dem Tag, an dem man einen Garten anlegt."
Chinesisches Sprichwort

Was Dich auch interssieren könnte..

Warum solltet ihr eure Tomaten überhaupt selber ziehen?

Diese Frage stellt sich mir persönlich mittlerweile so gar nicht mehr, denn NICHTS ist leckerer, als Pasta mit der eigenen Tomatensauce zu kochen. Probiert es aus, es lohnt sich!!
Zudem macht es unglaublich Spaß, mit den unterschiedlichsten Sorten zu experimentieren. Einen guten Überblick findet ihr hier.. 1

Bevor es losgehen kann..

solltet ihr euch ein paar Gedanken darüber machen, was ihr alles braucht, denn nichts ist blöder, als sonntags zu bemerken, dass etwas fehlt. Neben gutem Saatgut 2 sind dazu saubere Behälter und v.a. auch qualitativ hochwertige und nährstoffarme Anzuchterde notwendig.

2 Saatgut von Tomaten

Saatgut von Tomaten

von alten und besonderen Sorten..
bekommt ihr auch hier auf silphion.de! :)

Damit es keine bösen Überraschungen gibt..

Ferner müsst ihr gewährleisten, dass die Anzuchttemperatur nicht unter 20°C absinkt, was für ein Minigewächshaus spricht - gekauft oder selbst gebaut. Sobald das Saatgut keimt, bedarf es zwingend einer guten Lichtquelle.
Ganz wichtig: kauft bitte GUTE Anzuchterde (bspw. von Neudorff), ansonsten werdet ihr möglicherweise Besuch von Parasiten bekommen, was SEHR ärgerlich ist, wenn man bereits viel Zeit investiert hat.
Und.. jeder ist da anders.. überlegt euch, ob, wie und womit ihr eure Zöglinge beschriftet. Beim Umtopfen geht schnell mal etwas durcheinander. Ich benutze wiederverwendbare Kunststoff-Steckschildchen, die ich mit Bleistift beschrifte.

Aussäen - der richtige Zeitpunkt

Wer in Mitteleuropa Tomaten selber ziehen möchte, der sollte den Aussaattermin so wählen, dass er zu den Eisheiligen - also Mitte Mai, wenn keine Nachtfröste mehr zu erwarten sind - kräftige Pflanzen vorgezogen hat.
Je nach Sorte dauert das etwa 1,5-2 Monate, d.h. der günstigste Zeitpunkt, um loszulegen, ist also etwa Mitte bis Ende März. Könnt Ihr Frostfreiheit gewährleisten - bspw wenn ihr einen Balkon habt und schnell reagieren
könnt im Ernstfall - könnt ihr natürlich auch eher beginnen. Die Saattiefe beträgt etwa 0,5-1cm. Ich verwende dazu sehr haltbare und wiederverwendbare QuickPot-Platten.

Warum ist der richtige Zeitpunkt so wichtig?

Das ist ganz einfach: die Winter in Mitteleuropa sind lang und Tomaten mögen es gerne warm. Sie vertragen keinerlei Frost. Mit den unterschiedlichen Startterminen versucht man, den Pflanzen eine möglichst lange Vegetations­periode zu ermöglichen.
Sät man zu spät, kann man sich zwar noch an den blühenenden Pflanzen erfreuen, wird im dümmsten Fall jedoch nichts oder nur unreife Früchte ernten.
Sät man allerdings zu früh, kann es andererseits aber auch passieren, dass die Pflanze bereits zu groß ist und der Wurzelballen fast verzweifelt nach Nahrung und Wasser giert.
Wollt ihr kräftige und gesunden Pflanzen erhalten, empfiehlt es sich deshalb sehr, diese ohne große Verzögerung und Platzmangel wachsen zu lassen.

Wärme, Licht und Feuchtigkeit

Ist der Samen in der Erde, braucht er vor allem zweierlei: ausreichend Wärme und ein feuchtes Substrat, um vor der Keimung zu quellen. Für beides gibt es ein Optimum: 22-24°C sind ideal, um eine schnelle Keimung zu gewährleisten. Die Anzuchterde sollte stets feucht, aber nicht nass sein. Sorgt dafür, dass überschüssiges Wasser abfließen kann. Niemals trockenfallen lassen!

3 Ein Samen keimt

Keimung
Was solltet Ihr dabei beachten?

Tomatensamen haben einen großen Vorteil: sie keimen - im Gegensatz zu Paprika und Chilis - relativ sicher. Ein Vorquellen des Saatguts ist daher nicht nötig.
Das Licht spielt zu diesem Zeitpunkt nur indirekt eine Rolle: benutzt ihr ein folienbedeckte Anzuchtschale (ohne Heizquelle) so wärmt das Sonnenlicht nun die Erde. Stellt diese aber niemals in die volle Sonne.

Die Keimung

Tomaten keimen in der Regel recht flink. Die Plumula - also der grüne Vegetationskegel, welcher sich ans Licht schiebt - ist nicht selten schon nach 3-4 Tagen zu sehen. Andere Sorten lassen sich mehr Zeit, selten keimen Samen auch erst nach 14 Tagen oder später. 3

4 Wann pikiert wird...

Pikieren von Tomaten
Passt ein wenig auf...

dass eure Keimlinge nun genügend Licht bekommen, denn das ist - im Zusammenspiel mit der Wärme - in diesem Stadium extrem wichtig. Ist es zwar warm, das Licht dagegen aber limitiert, dann besteht die Gefahr der Vergeilung. D.h. die Pflanzen schießen in die Höhe dem Licht entgegen, bleiben dabei aber eher spiddelig-mickrig und brechen beim Umtopfen schneller. Ganz schlecht!

Pikieren und Umtopfen

Haben die Pflanzen eine gewisse Größe erreicht, werden sie selektiert und in Einzeltöpfe pikiert, weil sie mit zunehmendem Alter verstärkt untereinander in Konkurrenz - v.a. um Licht und Wasser - treten. Ich pikiere, sobald das erste echte Blattpaar - die sogenannten Sekundärblätter 4 - eine Länge von 1,5-2cm haben. Es wird viel darüber diskutiert, wie, wann und warum pikiert werden sollte; manchmal auch darüber, ob es überhaupt notwendig oder sinnvoll ist. Jeder macht es anders.
Wichtig dabei ist jedoch v.a., dass die Sämlinge wieder mehr Platz und Nahrung finden, um sich bspw. nicht gegenseitig zu beschatten, sondern sich stattdessen optimal weiterentwickeln können. Hilfreich ist es, die Pflanzen ein paar Stunden vorher nochmal ordentlich zu gießen, um den bevorstehenden Pikierschock etwas abzumildern.

Ein kleiner Trick beim Pikieren..

hat sich aber durchaus bewährt, egal ob ihr die Wurzel fast nackich macht oder sie wie ein rohes Ei behandelt. Setzt ihn tief in die Erde! Und zwar so, dass die Keimblätter nur noch etwa 0,5-1cm über dem
Boden liegen. Tomaten bilden nämlich am unteren Stängel sehr gerne und sehr zahlreich sogenannte Adventivwurzeln. Die Ausbildung solcher Wurzeln fördert ihr durch das "Tieferlegen" Eurer Pflänzchen und ihr werdet im
Endeffekt kräftigere und stämmige Tomaten bekommen, die zudem einen besseren Stand haben werden. Gut andrücken.
Nach dem Pikieren hell, aber etwas kühler stellen und nur wenig gießen, um die Wurzelneubildung anzuregen.

Auspflanzen der Tomaten

Balkon- und Buschtomaten:


Wenn ihr euch sicher seid, dass eure Jungpflanzen auf eurem Balkon keinem Frost mehr ausgesetzt sein werden, dann könnt ihr sie bereits Ende April bis Anfang Mai ins Freie bringen. Passt aber auf, damit ihr sie schnell in Sicherheit bringen könnt, falls es doch nochmal an den Gefrierpunkt geht.
Einpflanzen in normale, nährstoffreiche Blumenerde. Optimal sind bei Buschtomaten 40-70 Liter Erde. Weniger geht nach meinen eigenen Erfahrungen auch (ich ziehe sie auf der Fensterbank), das aber mindert natürlich die Erntemenge.


Freilandtomaten:


Wer Tomaten selber ziehen möchte im Freiland, für den sind nicht-determiniert-wachsende Stabtomaten meist die bessere Wahl, weil sie größere Erträge ermöglichen. Dazu den Boden gut durcharbeiten und lockern sowie Kompost einarbeiten (Wer an Pferdemist kommt, nimmt den: Er sollte aber vorkompostiert sein und bereits im Herbst eingearbeitet werden). Achtet unbedingt darauf, dass die Eisheiligen durch sind, weil "gepflanzt ist gepflanzt". Es ist sehr ärgerlich, auf diese Weise seine Pflanzen an den späten Frost zu verlieren.

Was gerne vergessen wird..

ist der Pflanzabstand! Buschtomaten sind mit einem Abstand von etwas 75x75cm zufrieden. Stabtomaten gibt man etwas mehr.. etwa 100x100cm. Das hat den Vorteil, dass der Befallsdruck bspw. durch Braunfäule geringer ausfällt, da die Blätter der Tomaten zügiger abtrocknen können und er Pilz sich nicht so sehr ausbreiten kann.

Zuguterletzt:

Was ihr beim "Tomaten selber ziehen" sonst noch beachten solltet..


Eigentlich sollte euch nun nichts mehr im Wege stehen, um zur ersten eigenen Tomatenernte zu kommen. Ihr könnt aber gerne hier weiterlesen zum Thema "Tomaten pflegen" [coming soon].